“‘Twas the night before Christmas, when all through the house
Not a creature was stirring, not even a mouse;
The stockings were hung by the chimney with care,
In hopes that St. Nicholas soon would be there;
The children were nestled all snug in their beds,
While visions of sugar-plums danced in their heads;
And mamma in her ’kerchief, and I in my cap,
Had just settled our brains for a long winter’s nap[.]”
Clement Clarke Moore “A Visit from St. Nicholas”
Clement Clarke Moore, ein Professor für griechische und orientalische Literatur an der Columbia University (USA), las wie vielen Eltern seinen Kindern nachts gern Gedichte vor. Er ging verantwortungsbewusst damit um und erfand manchmal selbst Märchengedichte, die nicht für die Öffentlichkeit und die Presse geeignet waren, sondern ausschließlich für seine Familie. Daher konnte der Professor kaum erwarten, dass eines seiner Werke als “klassisch” betrachtet werden und weltweit (und für immer) die Idee des Protagonisten von Weihnachten geändert werden wird. Aber so stellte es sich doch heraus.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es vage Vorstellungen über den Weihnachtsmann. Vielmehr war er damals noch Sankt Nikolaus (Nikolaus-Niklaus-Klaus), dessen Bild von den niederländischen Kolonisten auf den nordamerikanischen Kontinent gebracht wurde. Der Charakter war damals nicht so berühmt und sicherlich weit von universeller Liebe entfernt. Inzwischen waren nicht einmal 50 Jahre seit dem Beginn der Unabhängigkeit Amerikas zu dieser Zeit vergangen. Das junge Land durchlief die Zeit der Bildung aller Strukturen und Kulturen und brauchte dringend die Zeichen der Selbstidentifikation. Und hier kamen Moores Gedichten äußerst nützlich vor.
Jedoch ließ sich der Professor beim Schreiben nicht von hohen Grundlagen leiten. Er wollte nur seine Kinder vor Weihnachten erfrohen, und deswegen erdachte er ein magisches Weihnachtsmannbild für sie. Ihm zufolge sieht der Weihnachtsmann wie ein freundlicher alter Elf aus, fliegt mit einem Rentierschlitten über den Himmel, betritt das Haus durch den Schornstein und hinterlässt Geschenke in Strümpfen, die am Kamin getrocknet werden. Und er beschrieb dieses Bild in Reimen. So erschien im Dezember 1822 das Gedicht “Die Nacht vor Weihnachten” oder “‘Twas the Night Before Christmas”, das heute als der “Besuch des heiligen Nikolaus” (“A Visit from St. Nicholas”) bekannt ist.
“He was dressed all in fur, from his head to his foot,
And his clothes were all tarnished with ashes and soot;
A bundle of Toys he had flung on his back,
And he looked like a pedler just opening his pack.
His eyes—how they twinkled! his dimples how merry!
His cheeks were like roses, his nose like a cherry!
His droll little mouth was drawn up like a bow
And the beard of his chin was as white as the snow[.]“
Zuerst las Clement Moore das Gedicht über den Weihnachtsmann seiner Frau und seinen Kindern vor, dann waren enge Freunde an der Reihe. Im Gegensatz zum Autor erkannten Freunde der Familie sofort das Meisterwerk in den Versen und schickten das Manuskript an Journalisten. Am Vorabend des nächsten Feiertags, am 23. Dezember 1823, ist “Die Nacht vor Weihnachten” in der New Yorker Zeitung Sentinel veröffentlicht worden und war ein voller Erfolg! Es wurde mehrmals nachgedruckt, und bis 1840 wussten schon alle Amerikaner, wer der Weihnachtsmann war. Dies gab dem jungen Land ein Figur, das dazu bestimmt war, eine Ikone der amerikanischen kulturellen Expansion zu werden.

Das Gedicht war erfolgreich, aber nicht der Autor selbst. Die Geschichte entwickelte sich auf der Grundlage der Anonymität: Moore verbot den Verlegern, seinen Namen unter das Gedicht zu schreiben, aus Angst, den Ruf eines ernsthaften Wissenschaftlers zu zerstören. Er kam erst nach mehr als zwanzig Jahren aus dem Schatten aus, als er sich schließlich mit seinem poetischen Genie abgefunden und eine Sammlung von Gedichten des Autors veröffentlicht hatte, die auch das festliches Gedicht enthielt.
Nach der Handlung von der “Nacht vor Weihnachten” wird der Weihnachtsmann nur von einer Person gesehen, die der Vater einer großen Familie ist. Wenn der Weihnachtsmann Geschenke in Strümpfen auslegt, schlafen die Kinder süß in ihren Betten: ” The children were nestled all snug in their beds, / While visions of sugar-plums danced in their heads [.]” In dem Gedicht träumten die Kinder von sugar-plums (wörtlich: Zuckerpflaumen), einer amerikanischen Weihnachtssüße.
Sugar-Plum ist der Name einer der Heldinnen des Balletts Der Nussknacker, die in Deutschland als die Zuckerfee (Fée Dragée) bekannt ist. Das Video zeigt den Tanz der Zuckerfee (Dance Of The Sugar-Plum Fairy)
Wie genau man den Namen Sugar Plum übersetzt, weiß ich nicht. Der ist ein wenig irreführend: es gibt keine Pflaumen in “Zuckerpflaumen”, da das Wort “plum” ehemalid verwendet wurde, um alle getrocknete Früchte zu bezeichnen. Sugar plums können getrocknete Pflaumen, Aprikosen, Rosinen, Kirschen, Datteln, Johannisbeeren sowie als auch Nüsse und Gewürze enthalten. All dies muss fein zerkleinert, mit Honig befestigt und in Zucker- oder Kokosflocken gerollt werden.
Das Rezept scheint heutzutage einfach zu sein. Aber die Köche des 17. Jahrhunderts (dann erschienen die Sugar Plums) dachten so gar nicht. Es geht hier nicht einmal darum, dass die Gewürze und Nüsse exotisch und nicht billig waren (obwohl das auch wahr war). Der Hauptgrund war, dass es gar nicht so einfach ist, Nüsse und getrocknete Früchte von Hand zu hacken, ohne Mixer und Küchenmaschinen dabei zu verwenden. Vor der industriellen Revolution der 1860er Jahre waren diese kleinen süßen Bällchen eine gastronomische Leistung und ein Luxusgut.
Sugar Plums sind heute leider nicht die häufigste Weihnachtstradition in den Vereinigten Staaten. Amerikaner machen viel seltener Honigbällchen als zum Beispiel die Briten ihren Weihnachtspflaumenpudding. Aber wenn auch nur dadurch, dass Moores Gedicht allen Bewohnern der Staaten bekannt ist und die letzte Zeile “Happy Christmas to all, and to all a good-night” als klassischer Wunsch nach Glück zu Weihnachten verwendet werden, wird die Süßigkeit selbst dabei nicht vergessen.
Rezept der würzigen Honigbällchen Sugar Plums
Ingredienzen (für 16-20 Bällchen):
Geröstete Mandeln – 0,75 Tassen
Pflaumen – 0,5 Tassen
Getrocknete Aprikosen – 0,5 Tassen
Getrocknete Preiselbeeren – 0,25 Tassen
Getrocknete Kirschen – 0,25 Tassen
Orangenschale – 0,5 TL
Honig – 0,25 Tassen
Puderzucker – 0,25 Tassen
Gemahlener Zimt – 0,5 TL
Gemahlene Muskatnuss – 0,25 TL
Gemahlener Koriander – 0,25 TL
Salz – eine Prise
Kokosflocken zum Panieren
Zubereitung:
1. Mahlen Sie alle getrockneten Früchte, Mandeln und Orangenschalen in einer Küchenmaschine, bis sie fein gehackt sind.
2. Verrühren Sie in einer großen Schüssel Puderzucker, Zimt, Muskatnuss, Koriander und Salz. Fügen Sie dann die Mischung aus der Küchenmaschine zu den Gewürzen hinzu und mischen Sie die Substanz durch. Füllen Sie danach Honig in und rühren Sie die Mischund um.
3. Formen Sie die Mischung zu walnussgroßen Kugeln. Sie können eine ganze Mandel in die Mitte des Bällchens legen. Rollen Sie jedes Bällchen in Kokosflocken. Das resultierende Produkt soll tiefgekühlt gelagert werden.







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