Feuerzangenbowle (Friedrich Schiller, “Punschlied”)

“Eh es verdüftet
Schöpfet es schnell,
Nur wenn er glühet,
Labet der Quell.”

Friedrich Schiller “Punschlied”

Für viele ist der Februar die “olympische Langstreckenziellinie”. Man hat keine Kraft und kein Willen mehr und bewegt sich nur wegen moralischen und willkürlichen Überzeugungen. Bei mir ist es umgekehrt. Sobald das erste Herbstblatt am Glas des Fensters sich anklebt, werde ich unerträglich vom grauen Eugene in Richtung der Bergen gezogen, die rein und weiß wie das Sahnehäubchen eines Lebkuchenhauses sind. Da sieht der Winter wirklich wie der Winter aus: es gibt schneebedeckten Wald, frostiges Erröten und strahlende Sonnenuntergänge.

In einer solchen Zeit verlange ich besonders ein warmes Vergnügen, das das Bewusstsein mit Kraft und Freude einfüllt. Der Punsch ist in diesem Zusammenhang ein zuverlässiges Mittel, das Aufheitern, Jubel und Ermutigung hervorruft. Dafür hat dieses Getränk seine weltweite Berühmtheit erlangt.

Seltsamerweise wurde der Punsch nicht in den rauen nordischen Weiten geboren, sondern im sonnenreichen Indien. Es gibt eine Version, in der das Wort “Punsch” von “pānch” aus Hindi stammt, was “fünf” bedeutet. In der Zeit wurde diese mehrfach geladene Mischung aus fünf Komponenten hergestellt: Alkohol, Zitrusfrüchte, Zucker, Wasser und Gewürze (manchmal erschien Tee anstelle von Gewürzen).

Der Punch kam nach Europa zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Dieses Getränk wurde als eines der besten gastronomischen Beispiele bei Seeleuten der Britischen Ostindien-Kompanie eingebracht und fiel sofort an Ort und Zeit.

Der Mittag der Popularität von Punsch fiel auf die Epoche der Aufklärung. In Schottland wurde Punsch von Robert Burns, in Frankreich von Voltaire, in den USA von Washington Irving getrunken. Der würzige und berauschende Punsch hatte den Ruhm, das aufrührerischste aller Mixgetränke zu sein. Dieser Ruhm kam mit einer Verzögerung auch nach Puschkins Russland: “And the bottles are instantly broken, / And the glasses are all in the window – / Everywhere on the floor are poured / Punch and light wine” (A. S. Puschkin).

In Deutschland ist Punch mit dem Name von Friedrich Schiller verbunden: 1803 schrieb er das “Punschlied” für Goethes Gesangskreis. Schiller arbeitete nachts und ermutigte sich mit Alkohol. Deswegen hatte der Dichter eine besondere Beziehung zum Getränk.

Schiller widmete jeder Zutat einen Vierzeiler. Absichtlich oder nicht reduzierte der Dichter das originale Rezept auf Kosten der Gewürze um ein Fünftel. Vielleicht passierte deswegen, da er jedes Produkt im Punsch mit einem der vier Grundelemente (Feuer, Wasser, Luft, Erde) in Verbindung bringen wollte, die zusammen die ganze Welt beschreiben.

“Vier Elemente,
Innig gesellt,
Bilden das Leben,
Bauen die Welt.”

Heute wird die Vierbestandteilsversion (Zitronen-Zucker-Wasser-Alkohol) von vielen als das klassische deutsche Punschrezept angesehen.

https://www.youtube.com/watch?v=aiwaF9wLKHE

Gesungen von deutschen Rapper Doppel U. “Punschlied”

Für Deutschland ist Punsch Teil der Kultur geworden. Besonders oft erinnern sich die Deutschen an dieses Getränk während der Weihnachtszeit und beim schlechten Wetter  und bereiten es nach ihrer traditionellen Methode namens Feuerzangenbowle zu.

Feuerzange ist eine eiserne Zange zum Ergreifen von Brennmaterial. Und “Bowle” bezeichnet dabei so etwas wie ein kaltes, aromatisches Mischgetränk, dessen Grundlage meist Weißwein bildet, und eine Schüssel dafür.

Der springende Punkt des Getränks ist, dass Zucker auf besondere Weise hineingegeben wird: der ist in brennendem Rum eingeweicht, wodurch der Zucker schmilzt und in die Schüssel fließt. Dadurch schmeckt der Punsch reich und karamellisiert.

“Jetzt mit des Zuckers
Linderndem Saft
Zähmet die herbe
Brennende Kraft,”

Um den Zucker zu halten, wurde früher die Kaminzange verwendet, die man auch als Feuerzange bezeichnete. Jetzt bedeutet dieses Wort ein moderneres Objekt: es kommt jetzt in der Form von einem länglichen Spatel mit Löchern in der Mitte vor. Übrigens ist der Zucker in diesem Punsch auch nicht ganz einfach. Um den Punsch zuzubereiten, wird Zuckerhut verwendet. Dies ist ein großes kegelförmiges Stück vom Zucker, das leicht auf die Feuerzange positioniert und bequem mit den brennenden Rum gegoßen werden kann.

Die Feuerzangenbowle ist neben Glühwein zum gastronomischen Markenzeichen der deutschen Weihnachtsmärkte geworden. Aber dieses Vergnügen ist bei Touristen populärer als bei Einheimischen. Die Deutschen selbst kochen dieses Getränk lieber zu Hause und sehen gleichzeitig die Schwarz-Weiß-Komödie “Die Feuerzangenbowle” (1944) an, die sich auf dem gleichnamigen Roman von Heinrich Spoerl basiert. Der Film handelt davon, wie ein junger Schriftsteller, der zu Hause ausgebildet wurde, beschließt bei einer Tasse vom Punsch, einen Schüler von einer regulären Schule zu werden, um zu verstehen, was er vermisst hat, und um das zu tun, was nur Teenager tun können.

Ein Einzelbild aus dem Film “Die Feuerzangenbowle” (1944). Die Konstruktion für den Punschzubereitung ist hier ganz gut sichtbar.

Hier ist nun die Idee für einen wunderschönen Familienabend: man braucht nur einen guten alten Film und den Punsch mit einem unaussprechlichen deutschen Namen. Und Punsch ist besser nicht zu vernachlässigen. Wie Schiller schrieb:

“Tropfen des Geistes
Gießet hinein,
Leben dem Leben
Gibt er allein.”

Rezept der Feuerzangenbowle

 

Ingredienzen:

Trockener Rotwein – 2 l
Dunkler Rum – 350 ml
Zuckerhut – 1 Stck. (oder 250 g raffinierter Zucker)
Orangensaft – 0,5 l
Zitrone – 1 Stck.
Orange – 2 Stck.
Zimt – 1 Stange
Nelken – 6 Stck.
Anis – 4 Sternchen

Zubereitung:

1.Schneiden Sie die Zitrone und die Orangen zusammen mit der Schale in Scheiben, entfernen Sie die Samen und legen Sie die entstandenen Scheiben in einen Topf hinein.

2.Gießen Sie dort Wein und Saft ein und fügen Sie Gewürze hinzu. Unter ständigem Rühren bei schwacher Hitze erhitzen Sie diese Mischung auf 60-70 Grad Celsius. Die Mischung soll aber nicht zum Kochen gebracht werden, damit der Alkohol nicht verdunstet. Verwenden Sie danach einen Löffel, um das Zitrusfleisch in einem Topf zu zerdrücken. Setzen Sie den Deckel auf den Topf und lassen Sie das Getränk 10 Minuten ruhen.

3. Wenn Sie nun die deutschen Regeln befolgen möchten, muss der Punsch in eine hitzebeständige Glasschale gegossen, auf einen Ständer gestellt und eine kleine Kerze darunter angezündet werden, damit der Punsch nicht abkühlt. Legen Sie die Feuerzange (Metallgitter) mit dem Zuckerhut darauf auf die Schüssel. Erhitzen Sie den Rum (so brennt er besser), schöpfen Sie ihn mit einer Kelle auf und setzen Sie ihn in Brand. Gießen Sie dann mit brennendem Alkohol den Zucker. Der Zucker wird zu schmelzen beginnen und in den Wein abfließen. Wenn der Zucker vollständig geschmolzen ist, rühren Sie den Punsch.

Die Konstruktion für die Feuerzangenbowle sieht ungefähr so ​​aus

Alternative Möglichkeit: Wenn es kein Zuckerhut, Feuerzange, Glasschale und Ständer bei Ihnen gibt, aber Sie immer noch der deutschen Tradition näher kommen möchten, können Sie folgendes tun. Geben Sie raffinierten Zucker in einen tiefen, hitzebeständigen Behälter, befeuchten Sie ihn mit einer halben Portion von erhitztem Rum und setzen Sie ihn in Brand. Gießen Sie den restlichen Rum mit einem Löffel allmählich über den Zucker, bis die Flamme von sich selbst erlischt. Rühren Sie den Zucker und Rum um, fügen Sie die Mischung in den Topf mit dem Wein und mischen noch mal gut durch.

4. Erhitzen Sie den Punsch erneut auf 60-70˚C. Das Getränk ist servierfertig!

 

Friedrich Schiller “Punschlied”

Vier Elemente,
Innig gesellt,
Bilden das Leben,
Bauen die Welt.

Preßt der Zitrone
Saftigen Stern,
Herb ist des Lebens
Innerster Kern.

Jetzt mit des Zuckers
Linderndem Saft
Zähmet die herbe
Brennende Kraft,

Gießet des Wassers
Sprudelnden Schwall,
Wasser umfänget
Ruhig das All.

Tropfen des Geistes
Gießet hinein,
Leben dem Leben
Gibt er allein.

Eh es verdüftet
Schöpfet es schnell,
Nur wenn er glühet,
Labet der Quell.

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